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Wie sich Philosophie und Wissenschaft von Markus Gabriels Pseudophilosophie unterscheiden


Der Unterschied zwischen Pseudophilosophie, Philosophie und Wissenschaft liegt darin, wie man argumentiert:

Gemeinsam ist all diesen Denkenden: Man vertritt einen Standpunkt und behauptet, ihn in seriöser, überzeugender Weise zu verteidigen.

Philosophisches Denken geht ebenfalls von genau definierten Axiomen aus, rechtfertigt sie aber nicht selten einfach nur durch feste Überzeugung des Philosophierenden unter der Nebenbedingung, dass bisher niemand – auch Wissenschaft nicht – sie als falsch nachweisen konnte.

Echten Wissenschaftlern und echten Philosophen ist klar, dass all ihre Argumentation im besten Fall korrekte Schlussfolgerung sein kann (niemals aber ein Beweis dafür, dass Natur auch die Axiome – d.h. sämtliche Prämissen solcher Schlussfolgerung – wahr macht).

Besonders genau gehen hierbei Mathematiker vor: Sie klassifizieren jede Aussage als entweder Axiom oder Schlußfolgerung aus Axiomen.Axiome sind Aussagen, die man als wahr annimmt, ohne zu wissen, wie man ihren Wahrheitswert aus Tatsachen ableiten könnte.Schlussfolgerungen ergeben sich aus Axiomen durch anerkannte, genau definierte Ableitungsregeln.

Naturwissenschaft versucht, solches Vorgehen nachzuahmen, kennt aber schon zweierlei Arten von Axiomen:Einerseits Aussagen, die man als wahr annimmt, da Beobachtung der Natur ihre Wahrheit immer wieder bestätigt, bisher aber nie widerlegt hat, zweitens aber auch Aussagen, die man einer Theorie als Axiome zugrundelegt, um überhaupt eine Theorie zu haben.

Pseudowissenschaft schließlich, macht i.A. gleich drei fatale Fehler: Sie arbeitet mit zu wenig genau definierten Begriffen, ingoriert in ganz erheblichem Umfang anerkannte Ergebnisse der Naturwissenschaft, und der Argumentierende geht ohne jeden Beweis davon aus, dass seine Meinung richtig sei, keiner Überprüfung bedürfe, er selbst stets logisch argumentiere und daher wahr sein müsse, was seine Axiome sagen und was seine Schlussfolgerung ergibt. Er ist sozusagen Hybris in Person.

Eben deswegen sind pseudowissenschaftliche Aussagen rein gar nichts wert – auch dann nicht, wenn sie vom Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnistheorie getätigt werden z.B. in akademischen Reden wie den folgenden:

Wer Markus Gabriels Argumente hin zu seinem Forschungsergebnis, dass es die Welt als Ganzes gar nicht geben könne, auch nur flüchtig prüft, dem wird schnell klar, warum der renommierte österreichische Hochschullehrer für Philoso-phie, Prof. Peter Strasser, Gabriels Sinnfeld-Ontologie als “ontologisches Larifari” eingeordnet hat. Wer denkt, Strasser hätte da zu hart geurteilt, der möge sich einfach mal selbst anhören, wie Gabriel argumentiert

Gabriels Realismus — Treppenwitz der Philosophiegeschichte


Im folgenden sei erklärt, wie sich Lebewesen als Sinnesorgane und Werkzeuge einer Welt entpuppen, die — wie ein lautstark, aber wenig kompetent agierender Vertreter der Hochschulphilosopie behauptet eingesehen zu haben — gar nicht existent sei.

Es ist dies tragisches Beipiel dafür, wie schlampiges Denken eine ganze Zunft lächerlich machen kann, wenn einer ihrer bekanntesten Vertreter denkt, 2500 Jahre Philosophie des Irrtums überführt zu haben und deswegen – stolz wie ein Gockel auf dem Mist – gleich ein neues Zeitalter ausruft ob seiner vermeintlich so besonders scharfsinnigen Erkenntnis.

Naturwissenschaft erklärt uns Folgendes:

    Wie jeder Quantenphysiker weiß, kann kein echter Teil unserer physikalischen Welt durch seine Wellenfunktion ebenso genau beschrieben sein wie die Welt insgesamt beschrieben ist durch ihre Wellenfunktion.

    Kurz: Kein Teil der Welt ist vollständig ohne seine Einbettung in eben diese Welt. Sie ist das, was wir die Wirklichkeit nennen und was — dies zu wissen ist wichtig — als solche jeden seiner Teile entscheidend mit prägt.

    Realität ist weit weniger: Sie ist nur etwas durch Teile der Welt Erdachtes: Die Realität, in der man zu leben glaubt, ist durch unser Gehirn extrapolierte Interpretation der Bedeutung, die wir dem winzig kleinen Prozentsatzes aller Signale zuordnen, welche unser Denken erreichen als von der Wirklichkeit ausgesandte Nachrichten, mit denen sie sich Teilen ihrer selbst mitteilt. Es kann deswegen Realität immer nur relativ ungenaues, sehr begrenztes, individuell gefärbtes Bild eines kleinen Ausschnittes der Wirklichkeit sein.

Gabriel behauptet, die Welt als Ganzes könne nicht existieren: Existent sei aber wenigstens “alles andere”.

Dass Quantenphysik uns genau das Gegenteil sagt, will Gabriel nicht hören:

    Existent im konkretesten Sinne des Wortes, so sagt Quentenphysik, ist nur die Wirklichkeit: die wirkliche Welt als der allumfassende Kosmos. Er ist ein Meer sich ständig neu verteilender Energie zusammen mit daraus durch Emergenz entstehender Phänomene, Bewusstsein etwa.

    Nun ist aber jedes Lebewesen zusammen mit seiner Realität (sprich: seinem oft recht subjektiven Bild dessen, was wirklich ist) aber natürlich auch Teil der Wirklichkeit: Man kann deswegen mindestens sämtliche Lebewesen auffassen als noch unvollkommene “Sinnesorgane” der Wirklichkeit, mit deren Hilfe sie sich — wenn auch nur ungenau in kleinen Ausschnitten — selbst wahrnimmt.

    Zudem ist jedes Lebewesen auch Vertreter der Wirklichkeit, als deren Teil es ja Signale aussendet, die zeigen, dass die Welt sich mitteilen kann (und somit insbesondere existiert).

Uns jedenfalls ist nun klar:

Die Welt existiert, macht sich bemerkbar, und kein Teil von ihr würde ohne sie all das sein, was er tatsächlich ist.

Dass Gabriel – Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnistheorie, aber leider ein allzu schlampiger Denker – die vermeintliche Nichtexistenz der Welt so lautstark als “Forschungsergebnis” und “Neuen Realismus” zu verkaufen sucht, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht heraus einfach nur ein sprachlos machender Treppenwitz der Philosophiegeschichte.

Solange Hochschullehrer für Philosophie es nicht wagen (oder nicht der Mühe wert finden), den Kollegen Gabriel auf seine Denkfehler aufmerksam zu machen, kann man akademische Philosophie wohl nicht mehr als Wissenschaft einordnen. Ohne Qualitätsanspruch hat sie jeden Anspruch verwirkt, von uns noch ernst genommen zu werden.

Schade: Eben so demontiert Hochschulphilosophie sich selbst. Einer ihrer derzeit prominentesten Vertreter ist — wie man sieht — ja sogar noch als nur Verwalter des Gedankengutes seiner berühmten Vorgänger eher ungeeignet. Hierfür nämlich versteht und schätzt er zu wenig, was zu verwalten, zu verstehen und richtig zu erklären er vorgibt.

Gabriels Drang, sich möglichst effektiv zu vermarkten, scheint ihn davon abzu­halten, verstehen zu wollen, was eine lange Reihe echter Philosophen über nun schon 25 Jahrhunderte hinweg — heute durch Naturwissenschaft nun endlich sogar bestätigt — als richtig und wahr erkannt haben.

Er wischt es weg, indem er vorschnell im Brustton der Überzeugung behauptet, erkannt zu haben » Falsch: Alle Philosophien der letzten 2500 Jahre! «.

Dass er sich hierin irren und seine Vorgänger gar nicht tief genug verstanden haben könnte, will er nicht in Erwägung ziehen. Möglichst schnell zu reden, wo seine Argumentation noch nicht mal in handwerklicher Hinsicht überzeugt, ist seine Art damit umzugehen.

Wie sich Gabriels Neuer Realismus als wertlose Pseudo-Philosophie entpuppt


Das Besondere an Philosophie ist, dass sie – wo Logik versagt – die Freiheit hat, weiterzudenken in nur noch Erfühlbares hinein, in einen Bereich also, wohin ihr Wissenschaft, speziell Naturwissenschaft nicht mehr folgen kann.

So ist beispielsweise die Frage, ob es ein Leben nach dem Tode gibt, eine philo­sophisch durchaus sinnvolle Frage, eine Frage aber, auf die es, – gleichberechtigt zu einander – diametral entgegengesetzte Antworten gibt.

Gegeben zwei davon, ist nicht feststellbar, mit welcher Wahrscheinlichkeit die eine richtiger sein könnte als die andere – und so können beide nie mehr als nur Meinung sein.

Wissenschaft beginnt dort, wo sich Meinungen sinnvoll errechenbare Wahrschein­lichkeiten dafür zuordnen lassen, dass sie richtig sind.

Kant verkündete, die Wirklichkeit zeige sich dem Menschen nicht so, wie sie ist, sondern stets nur so, wie sie ihm aufgrund der besonderen Art seines Erkenntnis­vermögens erscheint.

Dass das mehr als nur Meinung ist, lässt sich einsehen wie folgt:

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass es Menschen gibt, die deutlich unter­schiedlich genau sehen und auch unterschiedlich genau denken. Dies hat zur Folge, dass sie ein dieselbe Sache unterschiedlich wahrnehmen (im wörtlichen wie im übertragenen Sinne).

Damit ist bewiesen, dass sie die Wirklichkeit i.A. eben keineswegs so wahrnehmen, wie sie tatsächlich ist. Ihr Sehen bzw. Verstehen müsste sonst ja zum gleichen Ergebnis kommen.

Ich kann nicht glauben, dass Gabriel dieser triviale Zusammenhang entgangen sein sollte. Wenn er ihn aber kennt, muss es ja wohl so sein, dass er diese Erkenntnis leugnet mit dem Ziel, sich von Kant absetzen zu können. Dies wiederum würde bedeuteten, dass ihm an der Wahrheit gar nicht gelegen ist, sondern nur daran, mit welcher Meinung er sich am besten profilieren kann. Wo aber bleibt dann die Liebe zur Wahrheit, die doch wichtiges Charakteristikum aller brauchbaren Philosophie sein sollte?

Festzuhalten bleibt:

Wer eine Aussage, für die es einen gut nachvollziebaren Beweis gibt, nicht als wahr anerkennen möchte, sobald ihm dieser Beweis bekannt wurde, verdient es nicht, Philosoph genannt zu werden. Und die Qualität eines ehrlichen Wissen­schaftlers hat er dann ja wohl auch nicht.

Und so nehme ich Markus Gabriel in erster Linie wahr als Lobbyist in eigener Sache. Philosoph oder Wissenschaftler scheint er mir nur so am Rande sein zu wollen. Aber natürlich verbucht er es als großen Erfolg, wenn andere ihm die beiden Rollen dennoch abkaufen.

Man muss ihm das nicht unbedingt verübeln – sollte aber doch klar erkennen, dass sein Neuer Realismus nur Mittel zum Zweck zu sein scheint: Strungbrett für erfolgreiche Selbstvermarktung.

Je mehr von uns Gabriels Neuen Realismus ernst nehmen ohne mein Argument oben entkräften zu können, desto mehr glaubt Gabriel inzwischen wohl schon selbst an den Unsinn, den zu wiederholen er nicht müde wird.

Gabriel scheint sich selbst gar nicht mehr bewusst zu sein, dass er wertlose Pseudo-Philosphie vertritt, die sich ergab und an der er festhält, da er Tatsachen übersah, übersieht oder bewusst nicht zur Kenntnis nehmen will. Und so macht sich der angeblich “derzeit beste deutsche Philosoph” selbst zum sprechenden Beispiel dafür, wie recht Kant hatte: Wer nur sieht, was er sehen möchte – und das passiert ja jedem von uns gelegentlich –, der will doch gar nicht, dass sich ihm die Wirklichkeit so darstellt, wie sie tatsächlich ist.

Welchen Wert aber kann angeblicher Realismus haben, wenn er eine solch elementare, folgenreiche Tatsache leugnet?

Schon Parmenides (etwa 500 v. Chr.) war klüger. Er schrieb: Die Welt, in der wir zu leben glauben, ist die vermeintliche Welt der Sinneswahrnehmungen; die Welt ist nur Meinung. Aus heutiger Sicht muss man wohl hinzufügen: … oder Marketing.

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Lies auch: Neuer Realismus: In sich widersprüchliche, wertlose Philosophie — Wo schlampiges Denken aus Wahrheit Unwahrheit macht

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Siehe auch: 2 Kommentare unten …

 

Markus Gabriels sog. Neuer Realismus ist verdrehter klassischer Realismus – ein missglückter Versuch, den Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit zu leugnen.


In seinem Buch Der Sinn des Denkens charakterisiert Markus Gabriel seinen Neuen Realismus wie folgt:


” Die meisten verbinden das Wort Realismus bis heute mit
[der] Annahme einer bewusstseinsunabhängigen Außenwelt.

Der Neue Realismus korrigiert das und sagt, warum sollte denn von dem, was offensichtlich existiert und wozu wir selber als geistige Lebewesen gehören, aber auch Sterne und Tische, warum sollte im Gefüge dessen, was offensichtlich existiert, unsereiner besonders unwichtig sein? Also dreht der neue Realismus jetzt die Perspektive um und behauptet

Erstens: Wir können die Wirklichkeit so erkennen, wie sie ist.

Zweitens: Unsere Erkenntnis der Wirklichkeit ist so wirklich wie alles andere.

Drittens: Die Wirklichkeit ist kein singulärer Gegenstand, in dem Slogan ausgedrückt » die Welt gibt es nicht «. Es gibt also, wenn man so will, viele Wirklichkeiten und nicht eine.

Das sind die Grundthesen des neuen Realismus.

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Was aber berechtigt Gabriel hier zur Schlussfolgerung, die Wirklichkeit sei kein singulärer Gegenstand und es gäbe viele Wirklichkeiten und nicht nur eine?

Ist es nicht vielmehr so, dass die “vielen Wirklichkeiten”, die Gabriel da grundlos vermutet, nichts anderes sind, als der Menschen subjekte Interpretation einer einzigen, auf uns wirkenden, ihrem wahren Wesen nach aber verborgenen Wirklichkeit (ganz so, wie die Quantenphysik es lehrt)?

Man erkennt also: Im verzweifelten Versuch, seine merkwürdige, allzu vorschnell publizierte These, die Welt existiere nicht, zu rechtfertigen, dreht Gabriel sich mit seinem Denken nun schon seit 2009 im Kreis und will – wohl ohne es selbst zu merken – einfach nicht zurückfinden zu einer wichtigen Erkenntnis, die erstmals Parmenides und Platon, später Kant, schließlich aber auch Nils Bohr und Werner Heisenberg ständig neu entdeckt haben. Sie alle erkannten, was Gabriel uns jetzt wieder vergessen lassen möchte:

    Realität ist etwas durch unseren Verstand Konstruiertes (etwas Subjektives).

    Erst Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene: das tatsächlich Wirkende.

    Realität entsteht durch erst Interpretation und dann Extrapolation von Information, die unsere Sinne empfangen und dem Gehirn zuleiten.

    Sie ist nicht selten stark subjektiv geprägt, da wir oft nur erkennen, was wir erwarten vorzufinden.

Man kann es auch so ausdrücken:

Aller Sinn, den wir der Welt unterstellen, entsteht in uns selbst.

Die Wirklichkeit ist wie eine weiße Leinwand. Wir “bemalen” sie selbst durch unser Denken, und das so entstandene Bild ist die Realität, in der wir leben.

Gabriels erfindet grundlos viele Wirklichkeiten wohl nur im verzweifelten Versuch, seine These zu rechtfertigen, dass es die Welt als Ganzes gar nicht gäbe.

Physikern aber ist klar: Es gibt nur eine Wirklichkeit, aber jeder sieht sie durch die eigene subjektive Brille. Die Welt, die nach Gabriels Meinung nicht existieren kann, ist eben diese Wirklichkeit.

Wir sehen: Gabriels Neuer Realismus ist überflüssig wie ein Kropf und tatsächlich selbst vom Ergebnis her einfach nur ontologisches Larifari.

Dass Gabriels These im Hochschulbereich bisher wohl nur durch einen einzigen Fachkollegen, den Österreicher Prof. Peter Strasser, als Windei erkannt worden ist, spricht ganz sicher nicht für die Kompetenz oder das Rückrat der Gemeinschaft deutscher Ver­treter der Wissenschaft Philosophie.

Vielleicht ist also doch richtig, was Weischedel in seinem Buch Die philosophische Hintertreppe (2005) schrieb:

    “Wer alt geworden ist und sein Ende nahen fühlt, dem mag es wohl geschehen, dass er in einer ruhigen Stunde an die Anfänge seines Lebens zurückdenkt.

    Das widerfährt auch der Philosophie. Sie ist nun zweieinhalb Jahrtausende alt, und es gibt nicht wenige, die ihr einen baldigen Tod voraussagen.

    Und wer heute Philosophie betreibt, den mag wohl manchmal das Gefühl beschleichen, es sei eine müde und klapprig gewordene Sache, mit der er sich abgibt.

Aber natürlich spricht Weischedel hier nur von Möchtegern-Philosophen, also nicht von wahren Philosophen, deren Werk sie überleben wird, da sie nachdenken, statt nur möglichst viel und möglichst schnell zu reden, mit dem Ziel einer staunenden Zuhörer­schaft “Forschungsergebnisse” zu verkaufen, welche uns davon zu über­zeugen sollen, dass wir in einer gar nicht existierenden Welt leben.