Gabriels Realismus — Treppenwitz der Philosophiegeschichte


Im folgenden sei erklärt, wie sich Lebewesen als Sinnesorgane und Werkzeuge einer Welt entpuppen, die — wie ein lautstark, aber wenig kompetent agierender Vertreter der Hochschulphilosopie behauptet eingesehen zu haben — gar nicht existent sei.

Es ist dies tragisches Beipiel dafür, wie schlampiges Denken eine ganze Zunft lächerlich machen kann, wenn einer ihrer bekanntesten Vertreter denkt, 2500 Jahre Philosophie des Irrtums überführt zu haben und deswegen – stolz wie ein Gockel auf dem Mist – gleich ein neues Zeitalter ausruft ob seiner vermeintlich so besonders scharfsinnigen Erkenntnis.

Naturwissenschaft erklärt uns Folgendes:

    Wie jeder Quantenphysiker weiß, kann kein echter Teil unserer physikalischen Welt durch seine Wellenfunktion ebenso genau beschrieben sein wie die Welt insgesamt beschrieben ist durch ihre Wellenfunktion.

    Kurz: Kein Teil der Welt ist vollständig ohne seine Einbettung in eben diese Welt. Sie ist das, was wir die Wirklichkeit nennen und was — dies zu wissen ist wichtig — als solche jeden seiner Teile entscheidend mit prägt.

    Realität ist weit weniger: Sie ist nur etwas durch Teile der Welt Erdachtes: Die Realität, in der man zu leben glaubt, ist durch unser Gehirn extrapolierte Interpretation der Bedeutung, die wir dem winzig kleinen Prozentsatzes aller Signale zuordnen, welche unser Denken erreichen als von der Wirklichkeit ausgesandte Nachrichten, mit denen sie sich Teilen ihrer selbst mitteilt. Es kann deswegen Realität immer nur relativ ungenaues, sehr begrenztes, individuell gefärbtes Bild eines kleinen Ausschnittes der Wirklichkeit sein.

Gabriel behauptet, die Welt als Ganzes könne nicht existieren: Existent sei aber wenigstens “alles andere”.

Dass Quantenphysik uns genau das Gegenteil sagt, will Gabriel nicht hören:

    Existent im konkretesten Sinne des Wortes, so sagt Quentenphysik, ist nur die Wirklichkeit: die wirkliche Welt als der allumfassende Kosmos. Er ist ein Meer sich ständig neu verteilender Energie zusammen mit daraus durch Emergenz entstehender Phänomene, Bewusstsein etwa.

    Nun ist aber jedes Lebewesen zusammen mit seiner Realität (sprich: seinem oft recht subjektiven Bild dessen, was wirklich ist) aber natürlich auch Teil der Wirklichkeit: Man kann deswegen mindestens sämtliche Lebewesen auffassen als noch unvollkommene “Sinnesorgane” der Wirklichkeit, mit deren Hilfe sie sich — wenn auch nur ungenau in kleinen Ausschnitten — selbst wahrnimmt.

    Zudem ist jedes Lebewesen auch Vertreter der Wirklichkeit, als deren Teil es ja Signale aussendet, die zeigen, dass die Welt sich mitteilen kann (und somit insbesondere existiert).

Uns jedenfalls ist nun klar:

Die Welt existiert, macht sich bemerkbar, und kein Teil von ihr würde ohne sie all das sein, was er tatsächlich ist.

Dass Gabriel – Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnistheorie, aber leider ein allzu schlampiger Denker – die vermeintliche Nichtexistenz der Welt so lautstark als “Forschungsergebnis” und “Neuen Realismus” zu verkaufen sucht, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht heraus einfach nur ein sprachlos machender Treppenwitz der Philosophiegeschichte.

Solange Hochschullehrer für Philosophie es nicht wagen (oder nicht der Mühe wert finden), den Kollegen Gabriel auf seine Denkfehler aufmerksam zu machen, kann man akademische Philosophie wohl nicht mehr als Wissenschaft einordnen. Ohne Qualitätsanspruch hat sie jeden Anspruch verwirkt, von uns noch ernst genommen zu werden.

Schade: Eben so demontiert Hochschulphilosophie sich selbst. Einer ihrer derzeit prominentesten Vertreter ist — wie man sieht — ja sogar noch als nur Verwalter des Gedankengutes seiner berühmten Vorgänger eher ungeeignet. Hierfür nämlich versteht und schätzt er zu wenig, was zu verwalten, zu verstehen und richtig zu erklären er vorgibt.

Gabriels Drang, sich möglichst effektiv zu vermarkten, scheint ihn davon abzu­halten, verstehen zu wollen, was eine lange Reihe echter Philosophen über nun schon 25 Jahrhunderte hinweg — heute durch Naturwissenschaft nun endlich sogar bestätigt — als richtig und wahr erkannt haben.

Er wischt es weg, indem er vorschnell im Brustton der Überzeugung behauptet, erkannt zu haben » Falsch: Alle Philosophien der letzten 2500 Jahre! «.

Dass er sich hierin irren und seine Vorgänger gar nicht tief genug verstanden haben könnte, will er nicht in Erwägung ziehen. Möglichst schnell zu reden, wo seine Argumentation noch nicht mal in handwerklicher Hinsicht überzeugt, ist seine Art damit umzugehen.

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