Albert Einstein und Karl-Theodor zu Guttenberg


Wer 2011 mit Entsetzen und Sprachlosigkeit verfolgt hat, wie sich damals nicht nur zahlreiche Politiker — allen voran der von mir bis dahin hoch geschätzte Jürgen Trittin — als Hüter aller Ehrlichkeit aufgespielt haben mit dem bösen Hintergedan­ken, so einen erfolgreichen Kollegen demontieren zu können (ohne jede Rücksicht darauf, wie sehr sie ihn dadurch als Person beschädigen), der lese meinen kurzen Artikel Albert Einstein und Karl-Theodor zu Guttenberg.

Vielleicht relativiert sich dann einiges …

 

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Comments

  • A. Pohl  On February 6, 2012 at 8:35 am

    Als Einstein seinen Fehler machte, hatte er bereits akademische Leistungen nachgewiesen. Nicht nur in dieser Kategorie kann man beide eher nicht vergleichen, denn bei G.s Plagiat-Affäre ging es ja nur vordergründig um eine akademische Auseinandersetzung. Die allein hätte er politisch sicher “überlebt”.

    • Gebhard Greiter  On February 6, 2012 at 12:12 pm

      Sicher, aus Sicht der politischen Gegner Guttenbergs ging es wirklich nicht um eine akademische Auseinandersetzung. Gerade deswegen aber finde ich die Art und Weise, in der man den politischen Gegner hier als Person fertig gemacht hat, so verwerflich.

      Aus akademischer Sicht scheint mir Einsteins Unehrlichkeit eher gravierender als die Schlampigkeit Guttenbergs. Dass der nämlich so dumm war, in voller Absicht zu handeln, kann ich nicht glauben — er hat wohl einfach nur ein Thema behandelt ohne sich Rechenschaft darüber zu geben, was wissen­schaftliches Arbeiten denn eigentlich bedeutet. Ihm das nicht beigebracht zu haben ist ein Fehler seines Doktorvaters.

      Sich davon zu überzeugen, dass handwerklich korrekt gearbeitet worden war, wäre Sache der Prüfungskommission gewesen (der Hochschule also). Hat man deren Schlampigkeit nicht ähnlich gravierend einzustufen wie die des Prüflings?

      Ich schließe mich Günther Becksteins Meinung an, der das Wort Betrug in diesem Fall für zu stark empfand. Das gilt um so mehr, als man ja hin und wieder liest, dass z.B. in der Medizin Doktorarbeiten oft noch nicht mal das Niveau einer Diplomarbeit erreichen.

      • A. Pohl  On February 6, 2012 at 4:13 pm

        Ein, wenn nicht das Bindeglied zu allen tangierten Bereichen (akademische Welt, Polit-Zirkus, Öffentlichkeit) ist m.E. das Vertrauen. Sein Auftreten konnte Vertrauen erwecken; sein Handeln und insbesondere sein merk­würdiges Verhalten bei der Aufarbeitung der aufgedeckten Fehler hat viel von dem z.T. eigentlich nur vorgeschossenen Vertrauen in ihn verbraucht.

        Akademiker haben ihn vertraut anstatt penibel zu kontrollieren. Parteifreunde und Mitarbeiter erwarteten oder hofften, dass das in ihn gesetzte Vertrauen gerechtfertigt ist und er Macht und Amt sichert.

        Und wenn G. nur halbwegs das Polit-Talent ist, für das ihn Seehofer hält, wird er der Kollegen-Meute sportlichen Respekt zollen müssen 😉

      • Gebhard Greiter  On February 6, 2012 at 6:20 pm

        Guttenberg scheint mir wirklich noch recht unerfahren. Doch spricht für ihn sein Mut.

        Dass andere ihn nicht genügend kontrolliert haben, kann man ihm nicht anlasten.

  • Gebhard Greiter  On February 6, 2012 at 6:03 pm

    Vielleicht lohnt es sich, mal darüber nachzudenken, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen einem Wissenschaftler und einem Politiker ist:

    Als Wissenschaftler bezeichne ich jemand, der sein Lebensziel darin sieht, ständig in möglichst unvoreingenommener Weise nach neuer Erkenntnis zu suchen. Ich achte ihn besonders dann, wenn er dabei die Leistungen anderer als solche anerkennt.

    Ein Politiker aber ist jemand, der ohne viel nachzudenken davon ausgeht, dass es wichtig ist, die eigene Meinung durchzusetzen, da sie — so setzt er als ganz selbstverständlich voraus — die einzig richtige sei. Er verdient unsere Achtung, solange er dabei sachlich genug argumentiert.

    Als skrupellos bezeichne ich einen Politiker dann, wenn er seine Meinung um jeden Preis durchzusetzen versucht: in einer Weise also, die mit Sachlichkeit und Fairness kaum noch was zu tun hat. Für solche Politiker ist nur wichtig, sich durch­zusetzen. Ob sie recht haben oder nicht, interessiert sie kaum oder gar nicht. Sie sind verantwortlich für den schlechten Ruf der Politik.

    In meinen Augen haben sich einige Politiker, die ich vorher als durchaus sachlich eingestuft hatte, über ihr Verhalten Guttenberg gegenüber als skrupellos demaskiert. Schade — aber gut zu wissen.

    Dass z.B. Willy Brandt oder Richard von Weizäcker irgendwann so gehandelt hätten, wie das 2011 zahlreiche Politiker im Fall Guttenberg taten, ist absolut undenkbar. Gleiches gilt für Helmut Schmidt, Dietrich Genscher, Günther Beckstein und einige andere. Ihnen gilt es nachzueifern.

    Guttenberg schätze ich, da er keiner ist, der mit seiner eigenen Meinung hinterm Berg hält. Ich halte ihn für unerfahren, aber für ehrlich und sehr tatkräftig. Er scheint mir das Zeug zu haben, ein guter Politiker zu werden.

  • Gebhard Greiter  On February 23, 2013 at 1:00 pm

    Ausgesprochen lächerlich erscheint es mir, wenn Gruppen von Professoren die Doktorarbeit einer Studentin (Anette Schavan) in höchsten Tönen loben, und dann — mehr als 30 Jahre später — eine andere Gruppe von Professoren — sich hinter Zitierregeln versteckend (!) — eben derselben Frau, die inzwischen jahrelang erfolgreich als Wissenschaftsministerin tätig war, ihren Doktorgrad entzieht mit der Begründung, sie habe betrogen.

    Muss man sich da nicht fragen,
    ob der damalige Promotionsausschuß
    den damaligen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse denn überhaupt kannte?

    Oder rechtfertigt neuerdings allein nur korrektes Zitieren einen Doktorgrad?
     

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