Wie sich Philosophie und Wissenschaft von Markus Gabriels Pseudophilosophie unterscheiden


Der Unterschied zwischen Pseudophilosophie, Philosophie und Wissenschaft liegt darin, wie man argumentiert:

Gemeinsam ist all diesen Denkenden: Man vertritt einen Standpunkt und behauptet, ihn in seriöser, überzeugender Weise zu verteidigen.

Philosophisches Denken geht ebenfalls von genau definierten Axiomen aus, rechtfertigt sie aber nicht selten einfach nur durch feste Überzeugung des Philosophierenden unter der Nebenbedingung, dass bisher niemand – auch Wissenschaft nicht – sie als falsch nachweisen konnte.

Echten Wissenschaftlern und echten Philosophen ist klar, dass all ihre Argumentation im besten Fall korrekte Schlussfolgerung sein kann (niemals aber ein Beweis dafür, dass Natur auch die Axiome – d.h. sämtliche Prämissen solcher Schlussfolgerung – wahr macht).

Besonders genau gehen hierbei Mathematiker vor: Sie klassifizieren jede Aussage als entweder Axiom oder Schlußfolgerung aus Axiomen.Axiome sind Aussagen, die man als wahr annimmt, ohne zu wissen, wie man ihren Wahrheitswert aus Tatsachen ableiten könnte.Schlussfolgerungen ergeben sich aus Axiomen durch anerkannte, genau definierte Ableitungsregeln.

Naturwissenschaft versucht, solches Vorgehen nachzuahmen, kennt aber schon zweierlei Arten von Axiomen:Einerseits Aussagen, die man als wahr annimmt, da Beobachtung der Natur ihre Wahrheit immer wieder bestätigt, bisher aber nie widerlegt hat, zweitens aber auch Aussagen, die man einer Theorie als Axiome zugrundelegt, um überhaupt eine Theorie zu haben.

Pseudowissenschaft schließlich, macht i.A. gleich drei fatale Fehler: Sie arbeitet mit zu wenig genau definierten Begriffen, ingoriert in ganz erheblichem Umfang anerkannte Ergebnisse der Naturwissenschaft, und der Argumentierende geht ohne jeden Beweis davon aus, dass seine Meinung richtig sei, keiner Überprüfung bedürfe, er selbst stets logisch argumentiere und daher wahr sein müsse, was seine Axiome sagen und was seine Schlussfolgerung ergibt. Er ist sozusagen Hybris in Person.

Eben deswegen sind pseudowissenschaftliche Aussagen rein gar nichts wert – auch dann nicht, wenn sie vom Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnistheorie getätigt werden (z.B. in akademischen Reden wie, meiner Meinung nach, hier und hier).

Wer Markus Gabriels Argumente hin zu seinem Forschungsergebnis, dass es die Welt als Ganzes gar nicht geben könne, auch nur flüchtig prüft, dem wird schnell klar, warum der renommierte österreichische Hochschullehrer für Philoso-phie, Prof. Peter Strasser, Gabriels Sinnfeld-Ontologie als “ontologisches Larifari” eingeordnet hat. Wer denkt, Strasser hätte da zu hart geurteilt, der möge sich einfach mal selbst anhören, wie Gabriel argumentiert

Gabriels Realismus — Treppenwitz der Philosophiegeschichte


Im folgenden sei erklärt, wie sich Lebewesen als Sinnesorgane und Werkzeuge einer Welt entpuppen, die — wie ein lautstark, aber wenig kompetent agierender Vertreter der Hochschulphilosopie behauptet eingesehen zu haben — gar nicht existent sei.

Es ist dies tragisches Beipiel dafür, wie schlampiges Denken eine ganze Zunft lächerlich machen kann, wenn einer ihrer bekanntesten Vertreter denkt, 2500 Jahre Philosophie des Irrtums überführt zu haben und deswegen – stolz wie ein Gockel auf dem Mist – gleich ein neues Zeitalter ausruft ob seiner vermeintlich so besonders scharfsinnigen Erkenntnis.

Naturwissenschaft erklärt uns Folgendes:

    Wie jeder Quantenphysiker weiß, kann kein echter Teil unserer physikalischen Welt durch seine Wellenfunktion ebenso genau beschrieben sein wie die Welt insgesamt beschrieben ist durch ihre Wellenfunktion.

    Kurz: Kein Teil der Welt ist vollständig ohne seine Einbettung in eben diese Welt. Sie ist das, was wir die Wirklichkeit nennen und was — dies zu wissen ist wichtig — als solche jeden seiner Teile entscheidend mit prägt.

    Realität ist weit weniger: Sie ist nur etwas durch Teile der Welt Erdachtes: Die Realität, in der man zu leben glaubt, ist durch unser Gehirn extrapolierte Interpretation der Bedeutung, die wir dem winzig kleinen Prozentsatzes aller Signale zuordnen, welche unser Denken erreichen als von der Wirklichkeit ausgesandte Nachrichten, mit denen sie sich Teilen ihrer selbst mitteilt. Es kann deswegen Realität immer nur relativ ungenaues, sehr begrenztes, individuell gefärbtes Bild eines kleinen Ausschnittes der Wirklichkeit sein.

Gabriel behauptet, die Welt als Ganzes könne nicht existieren: Existent sei aber wenigstens “alles andere”.

Dass Quantenphysik uns genau das Gegenteil sagt, will Gabriel nicht hören:

    Existent im konkretesten Sinne des Wortes, so sagt Quentenphysik, ist nur die Wirklichkeit: die wirkliche Welt als der allumfassende Kosmos. Er ist ein Meer sich ständig neu verteilender Energie zusammen mit daraus durch Emergenz entstehender Phänomene, Bewusstsein etwa.

    Nun ist aber jedes Lebewesen zusammen mit seiner Realität (sprich: seinem oft recht subjektiven Bild dessen, was wirklich ist) aber natürlich auch Teil der Wirklichkeit: Man kann deswegen mindestens sämtliche Lebewesen auffassen als noch unvollkommene “Sinnesorgane” der Wirklichkeit, mit deren Hilfe sie sich — wenn auch nur ungenau in kleinen Ausschnitten — selbst wahrnimmt.

    Zudem ist jedes Lebewesen auch Vertreter der Wirklichkeit, als deren Teil es ja Signale aussendet, die zeigen, dass die Welt sich mitteilen kann (und somit insbesondere existiert).

Uns jedenfalls ist nun klar:

Die Welt existiert, macht sich bemerkbar, und kein Teil von ihr würde ohne sie all das sein, was er tatsächlich ist.

Dass Gabriel – Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnistheorie, aber leider ein allzu schlampiger Denker – die vermeintliche Nichtexistenz der Welt so lautstark als “Forschungsergebnis” und “Neuen Realismus” zu verkaufen sucht, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht heraus einfach nur ein sprachlos machender Treppenwitz der Philosophiegeschichte.

Solange Hochschullehrer für Philosophie es nicht wagen (oder nicht der Mühe wert finden), den Kollegen Gabriel auf seine Denkfehler aufmerksam zu machen, kann man akademische Philosophie wohl nicht mehr als Wissenschaft einordnen. Ohne Qualitätsanspruch hat sie jeden Anspruch verwirkt, von uns noch ernst genommen zu werden.

Schade: Eben so demontiert Hochschulphilosophie sich selbst. Einer ihrer derzeit prominentesten Vertreter ist — wie man sieht — ja sogar noch als nur Verwalter des Gedankengutes seiner berühmten Vorgänger eher ungeeignet. Hierfür nämlich versteht und schätzt er zu wenig, was zu verwalten, zu verstehen und richtig zu erklären er vorgibt.

Gabriels Drang, sich möglichst effektiv zu vermarkten, scheint ihn davon abzu­halten, verstehen zu wollen, was eine lange Reihe echter Philosophen über nun schon 25 Jahrhunderte hinweg — heute durch Naturwissenschaft nun endlich sogar bestätigt — als richtig und wahr erkannt haben.

Er wischt es weg, indem er vorschnell im Brustton der Überzeugung behauptet, erkannt zu haben » Falsch: Alle Philosophien der letzten 2500 Jahre! «.

Dass er sich hierin irren und seine Vorgänger gar nicht tief genug verstanden haben könnte, will er nicht in Erwägung ziehen. Möglichst schnell zu reden, wo seine Argumentation noch nicht mal in handwerklicher Hinsicht überzeugt, ist seine Art damit umzugehen.

Woran man Markus Gabriels Sinnfeld-Ontologie als Pseudowissenschaft erkennt


Nach Gabriel ist die Welt “das Sinnfeld aller Sinnfelder”. Zu existieren bedeute, in einem Sinnfeld aufzutreten.

Was genau man sich unter Sinnfeldern oder “im Sinnfeld auftreten” vorzustellen hat, wird durch Gabriel nicht explizit definiert.

Man erfährt nur, dass Sinnfelder Sinn erzeugen (so dass die Welt – anders als Wittgenstein dachte – nicht nur aus Dingen und Tatsachen bestehe, sondern zusätzlich noch Sinnfelder enthalten müsse: Ohne sie nämlich könne es Tatsachen gar nicht geben).

Bis hierher kann man noch folgen. Dann aber baut Gabriel Mist: Er stellt fest, die Welt könne nicht existieren, da sie nicht Teil ihrer selbst sein kann.


Der staunende Laie frägt sich: Warum kann die Welt in keinem Sinnfeld auftreten, wo wir doch gerade über sie nachdenken?

Dass Gabriel diese wichtige Frage nicht klärt, zeigt uns, wie wenig gründlich durchdacht sein allzu flüchtig definiertes Konzept der Sinnfelder ist.

Und so werte ich das Erscheinen seines Buches “Warum es die Welt nicht gibt” einfach nur als Paukenschlag, der Gabriels erfolgreiche Selbstvermarktung in Schwung brachte.

Sich selbst und seine sprachlos staunenden akademischen Kollegen und Lehrer, die ihm seine als Logik präsentierte Unlogik stillschweigend abgekauft haben (sich also für dumm verkaufen ließen), hat er mit seiner nicht nachvollziehbaren, zudem noch von Vortrag zu Vortrag unterschiedlichen Argu¬mentation unsterblich blamiert. So jedenfalls sehe ich das.


Wer Gabriels Argumente auch nur flüchtig prüft, dem wird schnell klar, warum der renommierte österreichische Hochschullehrer für Philosophie, Prof. Peter Strasser, Gabriels Sinnfeld-Ontologie als “ontologisches Larifari” eingeordnet hat. Wer denkt, Strasser hätte da zu hart geurteilt, der sollte sich einfach mal anhören


Überlegen wir uns nun, worin Gabriels Argumentationsfehler bestehen:

Existent zu sein, so sagt er, bedeute, in einem Sinnfeld aufzutreten. Da er nirgendwo definiert, was genau man sich darunter vorzustellen habe, tut er so, als wäre es selbstverständlich, dass man das Sinnfeld als Menge sehen könne und was darin auftritt, einzig und allein Elemente der Menge sein können. Dass man in einer Menge aber z.B. auch all ihre Teilmengen findet, hat er nicht bedacht.

Gabriel will uns weismachen, dass die Welt, das Sinnfeld aller Sinnfelder, wie er meint, etwas ist, das nicht — wie jedes andere Ding — mindestens als Teil seiner selbst auftritt (jede Menge ist größte Teilmenge ihrer selbst).

Man erkenne das daran, dass die Welt neben Dingen und Sinnfeldern auch Tatsachen enthält (man könnte sie als Beschreibung von Eigenschaften der Welt sehen). Wer nun aber versuchen würde, alle in der Welt gegebenen Dinge, Sinnfelder und Tatsachen aufzulisten, stünde vor dem Problem, dass mit jedem weiteren Eintrag in die Liste eine neue Tatsache hinzukäme, welche die Welt erweitert (eine Tatsache vom Typ “… ist nun in die Liste aufgenommen“), so dass man mit der Auflistung der Welt nie fertig würde. Das, so Gabriel, zeige, dass die Welt nicht existieren könne. Den Beweis bleibt er schuldig.

Was er uns auch nicht sagt: Für Mengen wird definiert, dass sie sich niemals selbst als Element enthalten. Die Welt aber ist wie sie ist: Wir sind nicht frei zu definieren, welche Eigenschaften sie haben solle.

Würde Gabriel, dem Rechnung tragend, sein Modell dahingehend abändern, dass er sagt “in einem Sinnfeld aufzutreten bedeutet, Teil des Sinnfeldes zu sein“, bestünde keine Notwendigkeit, von Mengen oder gar Listen zu reden und der von ihn gesehene Grund, warum es die Welt als Ganzes nicht geben kann, würde entfallen – sein “Forschungsergebnis” sich also in Luft auflösen, woraus man erkennt, dass es ohne jeden Wert ist (!).

Vorschlag für besser durchdachtere Existenzphilosophie:

Man definiere:
  • Die Welt ist Vereinigung aller Sinnfelder.
  • Sinnfelder interpretieren Wirklichkeit, d.h. sie ordnen Teilen der Wirklichkeit Sinn zu.
  • Ein Sinnfeld S(G) ist alles, über das ein Gehirn G nachdenkt oder jemals nachgedacht hat.
  • Zu existieren bedeutet, in mindestens einer Rolle Teil eines Sinnfeldes zu sein.
Dann ergibt sich daraus sofort:

Die Welt existiert (auch als Gesamtheit von allem), da sie im Sinnfeld aller Gehirne auftritt, die über sie nachdenken.

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Wir sehen: Nur Gabriels völlig undurchdachte Modellierung unserer Welt führt auf die merkwürdige Aussage, dass sie nicht existieren könne. Kein Wunder, wenn er sein allzu primitives Weltmodell dann sogar noch selbst nicht wirklich versteht (da er nicht zu wissen scheint, dass eine Menge auch Untermengen enthalten kann und sogar sie selbst eine solche ist).
 
Warum Gabriels Lehrer und Kollegen eine derart misslungene, absolut wertlose Überlegung als Forschungsergebnis anerkannt, ihm widerspruchslos abgekauft und zudem noch sofort durch einen Lehrstuhl für ausgerechnet Erkenntnistheorie belohnt haben, kann ich persönlich nicht verstehen.

Hat man sich dadurch nicht unsterblich blamiert?

Da im deutschsprachigen Raum nur der Österreicher Peter Strasser gewagt hat, Gabriels Argumentation (großspurig “Sinnfeld-Ontologie” genannt) als nicht ernst zu nehmend einzuordnen, könnte man fast glauben, dass deutsche Professoren für Philosophie fehlende Qualität gar nicht mehr als solche erkennen – oder liegt es einfach daran, dass sie nicht wagen, schlecht zu nennen, was keinerlei Qualität hat? Sehen sie pseudologisches Geschwätz schon als normal an? Oder fürchtet man Gabriels Einfluss?

Wie also ist es bestellt um Kompetenz und Qualitätsbewusstsein der deutschen Hochschullehrer für Philosophie?

Peter Strasser jedenfalls hat Mist sofort als solchen erkannt! |

Man lese auch: Die Philosophin Ruby über Markus Gabriel, Wahrheit und (postmodernen) Konservatismus.

Vorsicht aber:

Dass Gabriel sich in Existenzphilosophie (noch?) als, wie ich meine, dramatisch inkompetent er­weist, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, welch hohen Wert er als Philosoph der Gegenwart hat. Das wahre Wesen von KI etwa kommentiert Gabriel weit zutreffen­der als selbst Jürgen Schmidhuber (einer der heute führenden KI-Experten).

Auch über die wichtige Rolle von Wahrheit im politischen Umfeld informiert Gabriel uns zutreffend und mahnt sie an in kompromisslos engagierter Weise.
 

Wie sich Gabriels Neuer Realismus als wertlose Pseudo-Philosophie entpuppt


Das Besondere an Philosophie ist, dass sie – wo Logik versagt – die Freiheit hat, weiterzudenken in nur noch Erfühlbares hinein, in einen Bereich also, wohin ihr Wissenschaft, speziell Naturwissenschaft nicht mehr folgen kann.

So ist beispielsweise die Frage, ob es ein Leben nach dem Tode gibt, eine philo­sophisch durchaus sinnvolle Frage, eine Frage aber, auf die es, – gleichberechtigt zu einander – diametral entgegengesetzte Antworten gibt.

Gegeben zwei davon, ist nicht feststellbar, mit welcher Wahrscheinlichkeit die eine richtiger sein könnte als die andere – und so können beide nie mehr als nur Meinung sein.

Wissenschaft beginnt dort, wo sich Meinungen sinnvoll errechenbare Wahrschein­lichkeiten dafür zuordnen lassen, dass sie richtig sind.

Kant verkündete, die Wirklichkeit zeige sich dem Menschen nicht so, wie sie ist, sondern stets nur so, wie sie ihm aufgrund der besonderen Art seines Erkenntnis­vermögens erscheint.

Dass das mehr als nur Meinung ist, lässt sich einsehen wie folgt:

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass es Menschen gibt, die deutlich unter­schiedlich genau sehen und auch unterschiedlich genau denken. Dies hat zur Folge, dass sie ein dieselbe Sache unterschiedlich wahrnehmen (im wörtlichen wie im übertragenen Sinne).

Damit ist bewiesen, dass sie die Wirklichkeit i.A. eben keineswegs so wahrnehmen, wie sie tatsächlich ist. Ihr Sehen bzw. Verstehen müsste sonst ja zum gleichen Ergebnis kommen.

Ich kann nicht glauben, dass Gabriel dieser triviale Zusammenhang entgangen sein sollte. Wenn er ihn aber kennt, muss es ja wohl so sein, dass er diese Erkenntnis leugnet mit dem Ziel, sich von Kant absetzen zu können. Dies wiederum würde bedeuteten, dass ihm an der Wahrheit gar nicht gelegen ist, sondern nur daran, mit welcher Meinung er sich am besten profilieren kann. Wo aber bleibt dann die Liebe zur Wahrheit, die doch wichtiges Charakteristikum aller brauchbaren Philosophie sein sollte?

Festzuhalten bleibt:

Wer eine Aussage, für die es einen gut nachvollziebaren Beweis gibt, nicht als wahr anerkennen möchte, sobald ihm dieser Beweis bekannt wurde, verdient es nicht, Philosoph genannt zu werden. Und die Qualität eines ehrlichen Wissen­schaftlers hat er dann ja wohl auch nicht.

Und so nehme ich Markus Gabriel in erster Linie wahr als Lobbyist in eigener Sache. Philosoph oder Wissenschaftler scheint er mir nur so am Rande sein zu wollen. Aber natürlich verbucht er es als großen Erfolg, wenn andere ihm die beiden Rollen dennoch abkaufen.

Man muss ihm das nicht unbedingt verübeln – sollte aber doch klar erkennen, dass sein Neuer Realismus nur Mittel zum Zweck zu sein scheint: Strungbrett für erfolgreiche Selbstvermarktung.

Je mehr von uns Gabriels Neuen Realismus ernst nehmen ohne mein Argument oben entkräften zu können, desto mehr glaubt Gabriel inzwischen wohl schon selbst an den Unsinn, den zu wiederholen er nicht müde wird.

Gabriel scheint sich selbst gar nicht mehr bewusst zu sein, dass er wertlose Pseudo-Philosphie vertritt, die sich ergab und an der er festhält, da er Tatsachen übersah, übersieht oder bewusst nicht zur Kenntnis nehmen will. Und so macht sich der angeblich “derzeit beste deutsche Philosoph” selbst zum sprechenden Beispiel dafür, wie recht Kant hatte: Wer nur sieht, was er sehen möchte – und das passiert ja jedem von uns gelegentlich –, der will doch gar nicht, dass sich ihm die Wirklichkeit so darstellt, wie sie tatsächlich ist.

Welchen Wert aber kann angeblicher Realismus haben, wenn er eine solch elementare, folgenreiche Tatsache leugnet?

Schon Parmenides (etwa 500 v. Chr.) war klüger. Er schrieb: Die Welt, in der wir zu leben glauben, ist die vermeintliche Welt der Sinneswahrnehmungen; die Welt ist nur Meinung. Aus heutiger Sicht muss man wohl hinzufügen: … oder Marketing.

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Lies auch: Neuer Realismus: In sich widersprüchliche, wertlose Philosophie — Wo schlampiges Denken aus Wahrheit Unwahrheit macht

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Siehe auch: 2 Kommentare unten …

 

Markus Gabriels sog. Neuer Realismus ist verdrehter klassischer Realismus – ein missglückter Versuch, den Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit zu leugnen.


In seinem Buch Der Sinn des Denkens charakterisiert Markus Gabriel seinen Neuen Realismus wie folgt:


” Die meisten verbinden das Wort Realismus bis heute mit
[der] Annahme einer bewusstseinsunabhängigen Außenwelt.

Der Neue Realismus korrigiert das und sagt, warum sollte denn von dem, was offensichtlich existiert und wozu wir selber als geistige Lebewesen gehören, aber auch Sterne und Tische, warum sollte im Gefüge dessen, was offensichtlich existiert, unsereiner besonders unwichtig sein? Also dreht der neue Realismus jetzt die Perspektive um und behauptet

Erstens: Wir können die Wirklichkeit so erkennen, wie sie ist.

Zweitens: Unsere Erkenntnis der Wirklichkeit ist so wirklich wie alles andere.

Drittens: Die Wirklichkeit ist kein singulärer Gegenstand, in dem Slogan ausgedrückt » die Welt gibt es nicht «. Es gibt also, wenn man so will, viele Wirklichkeiten und nicht eine.

Das sind die Grundthesen des neuen Realismus.

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Was aber berechtigt Gabriel hier zur Schlussfolgerung, die Wirklichkeit sei kein singulärer Gegenstand und es gäbe viele Wirklichkeiten und nicht nur eine?

Ist es nicht vielmehr so, dass die “vielen Wirklichkeiten”, die Gabriel da grundlos vermutet, nichts anderes sind, als der Menschen subjekte Interpretation einer einzigen, auf uns wirkenden, ihrem wahren Wesen nach aber verborgenen Wirklichkeit (ganz so, wie die Quantenphysik es lehrt)?

Man erkennt also: Im verzweifelten Versuch, seine merkwürdige, allzu vorschnell publizierte These, die Welt existiere nicht, zu rechtfertigen, dreht Gabriel sich mit seinem Denken nun schon seit 2009 im Kreis und will – wohl ohne es selbst zu merken – einfach nicht zurückfinden zu einer wichtigen Erkenntnis, die erstmals Parmenides und Platon, später Kant, schließlich aber auch Nils Bohr und Werner Heisenberg ständig neu entdeckt haben. Sie alle erkannten, was Gabriel uns jetzt wieder vergessen lassen möchte:

    Realität ist etwas durch unseren Verstand Konstruiertes (etwas Subjektives).

    Erst Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene: das tatsächlich Wirkende.

    Realität entsteht durch erst Interpretation und dann Extrapolation von Information, die unsere Sinne empfangen und dem Gehirn zuleiten.

    Sie ist nicht selten stark subjektiv geprägt, da wir oft nur erkennen, was wir erwarten vorzufinden.

Man kann es auch so ausdrücken:

Aller Sinn, den wir der Welt unterstellen, entsteht in uns selbst.

Die Wirklichkeit ist wie eine weiße Leinwand. Wir “bemalen” sie selbst durch unser Denken, und das so entstandene Bild ist die Realität, in der wir leben.

Gabriels erfindet grundlos viele Wirklichkeiten wohl nur im verzweifelten Versuch, seine These zu rechtfertigen, dass es die Welt als Ganzes gar nicht gäbe.

Physikern aber ist klar: Es gibt nur eine Wirklichkeit, aber jeder sieht sie durch die eigene subjektive Brille. Die Welt, die nach Gabriels Meinung nicht existieren kann, ist eben diese Wirklichkeit.

Wir sehen: Gabriels Neuer Realismus ist überflüssig wie ein Kropf und tatsächlich selbst vom Ergebnis her einfach nur ontologisches Larifari.

Dass Gabriels These im Hochschulbereich bisher wohl nur durch einen einzigen Fachkollegen, den Österreicher Prof. Peter Strasser, als Windei erkannt worden ist, spricht ganz sicher nicht für die Kompetenz oder das Rückrat der Gemeinschaft deutscher Ver­treter der Wissenschaft Philosophie.

Vielleicht ist also doch richtig, was Weischedel in seinem Buch Die philosophische Hintertreppe (2005) schrieb:

    “Wer alt geworden ist und sein Ende nahen fühlt, dem mag es wohl geschehen, dass er in einer ruhigen Stunde an die Anfänge seines Lebens zurückdenkt.

    Das widerfährt auch der Philosophie. Sie ist nun zweieinhalb Jahrtausende alt, und es gibt nicht wenige, die ihr einen baldigen Tod voraussagen.

    Und wer heute Philosophie betreibt, den mag wohl manchmal das Gefühl beschleichen, es sei eine müde und klapprig gewordene Sache, mit der er sich abgibt.

Aber natürlich spricht Weischedel hier nur von Möchtegern-Philosophen, also nicht von wahren Philosophen, deren Werk sie überleben wird, da sie nachdenken, statt nur möglichst viel und möglichst schnell zu reden, mit dem Ziel einer staunenden Zuhörer­schaft “Forschungsergebnisse” zu verkaufen, welche uns davon zu über­zeugen sollen, dass wir in einer gar nicht existierenden Welt leben.

Existenz – wie man diesen Begriff zu verstehen hat


Schon einige Philosphen und Physiker – u.A. auch Kant – haben klar erkannt:

Wir wissen nicht (und können ganz grundsätzlich nicht wissen), in welch konkreten Form die Wirkichkeit existiert. Was wir als real erachten, ist Deutung von Impulsen, die unsere Sinnesorgane erreichen – mehr nicht.

Farbe etwa, existiert höchstens als Wellenlänge elektromagnetischer Strahlung.

Die theoretischen Physiker sind heute der Meinung, dass Einsteins Theorie uns gezeigt habe, dass der Raum nur existiert als Abstand zwischen Objekten – von Objekten jeder nur denkbaren Größe, angefangen mit Elementarteilchen bis hin zu ganzen Sternen: so wie es schon Leibniz vermutet hat.

Abstand aber ist gegeben als Anzahl der Schwingungen, die in einer bestimmten Variante eines Cäsium-Atoms passieren, während es sich schnellstmöglich von A nach B bewegt (wo A und B die beiden Objekte sind, von deren Abstand wir sprechen wollen). Wir interpretieren das Cäsium-Atom als Uhr und die Anzahl dieser Schwingungen als Zeit, die vergeht, während sich das Atom von A nach B bewegt. Zeit ist demnach nur Ausdruck von Veränderung. Wir wissen nicht, ob sie zudem noch in irgend einer konkreteren Form existiert.

Carlo Rovelli – ein theoretischer Physiker, der u.A. auch Zeitforscher ist – schrieb (nicht wörtlich, aber sinngemäß auf Seite 94 seines Buches Die Ordnung der Zeit):

Die Veränderungen, denen das Universum unterworfen ist (die Ticks jener Uhren) lassen sich nicht als eine einzige Aufeinanderfolge von Veränderungen des Zustandes des Universums organisieren: Die Zeitstruktur der Welt ist nicht nur eine einfache lineare Abfolge von Augenblicken. Aber das macht die Zeit weder inexistent noch illusorisch.

Wenn also viele glauben, die Zeit sei nur Illusion, der Raum aber konkret, so sieht Carlo Rovelli das eher umgekehrt.

Tatsache ist (wie Rovelli ganz richtig feststellt): Das Wort “existiert” hat für sich allein gar keine Bedeutung. Alles, von dem wir sagen, es existiere, kann nur in dieser oder jener Rolle existieren.

Dass eine Sache existiert, kann von Fall zu Fall völlig unterschiedlich gemeint sein: ein Gesetz, ein Stein, eine Nation, ein Krieg, eine Figur aus einer Komödie, der Gott einer Religion, eine Märchengestalt, das Einhorn, von dem wir träumen, die große Liebe, eine Zahl, die Welt, … – all das existiert, aber jeweils doch in völlig unter­schiedlichem Sinne. Pinocchio etwa existiert als literarische Figur, aber nicht als Mensch, den man anfassen kann.

Kurz: Danach zu fragen, ob Raum oder Zeit existieren, wie “real” sie also sind, bedeutet einfach nur, danach zu fragen, in welcher Bedeutung wir diese Worte gebrauchen wollen. Das wiederum hängt davon ab, wen man frägt: Dich, mich, einen Physiker oder einfach nur ein Kind, dem all diese Erwägungen fremd sind.

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Nur Markus Gabriel sollten wir nicht fragen: Er nämlich behauptet, dass “Polizei­­uniform tragende Einhörner auf der Rückseite des Mondes” existieren, obgleich die Welt als Ganzes nicht existiere. Letzteres sei daran zu erkennen, dass jeder Versuch, ihren Inhalt aufzuzählen, scheitern muss.

Geht es wirklich noch einfältiger? Kann man das noch als ernst zu nehmendes Ergebnis eines Wissenschaftlers bezeichnen? Macht es Sinn, darüber ein Buch zu schreiben? Oder noch weiter über die Frage der Existenz der Welt zu forschen, wie Gabriel es zu Ende seiner Antrittsvorlesung versprach?

Warum – so frage ich mich – kann ausgerechnet der Inhaber eines Lehrstuhls für Existenzphilosophie nicht einsehen, dass Existenz stets nur rollenspezifisch gedachte Existenz sein kann?

Das ist umso erstaunlicher, wo er doch selbst darauf besteht, dass man auch alles nur in Gedanken Existierende als existent anzusehen habe.

Auf die Feststellung der Journalistin Silke Weber: “Sie wollen die Trennung zwischen der Welt und der Vorstellungswelt aufsprengen und widerlegen dabei eben mal Philosophen wie Immanuel Kant, Friedrich Nietzsche, Jacques Derrida …” beeilt sich Gabriel zu antworten: … mindestens die, ja. [Zeit Online: Interview mit Markus Gabriel vom 7.11.2014: “Real ist, was real ist”.]

Meiner Ansicht nach hat Markus Gabriel – wahrscheinlich, weil er mal was über die Nichtexistenz der Menge aller Mengen gelesen, das Argument dort aber nicht verstanden hat – keinen einzigen dieser Philo­so­phen widerlegt!

Schade, dass er nicht bereit ist, mit mir oder anderen darüber zu diskutieren.

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Zustandsformen der Substanz


Ich würde Substanz in inmaterieller Zustandsform eher als Geist bezeichnen (denn als Raum).

Titus Maria Severinus Pauly

Wenn wir nun sagen, dass die Welt aus Substanz besteht, dann sagen wir zugleich damit auch, dass Raum und Dinge aus Substanz bestehen, da wir die Welt als aus Raum und Dingen zusammengesetzt betrachten.

Daraus ergibt sich nun, dass wir Substanz als in zwei Zustandsformen bestehend vorstellen müssen.

  1. Substanz in materieller Zustandsform (Dinge)
  2. Substanz in immaterieller Zustandsform (Raum)

Die dürfte uns nicht schwer fallen, wenn wir, wie im letzten Beitrag dargestellt, unter Substanz allein nur “das Unterstützende” oder “das hinter allem Stehende” verstehen.

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Gabriels Erkenntnistheorie: Einfach nur ein Denkfehler?


Unter dem sog. Neuen Realismus versteht man eine philosophische Debatte, welche — unter eben diesem Namen — Markus Gabriel und Maurizio Ferraris am 23. Juni 2011 (um 13:30, wie sie schreiben) bei einem gemeinsamen Mittagessen in Neapel losgetreten haben.

Gabriel hat sie zum Aushängeschild für sich selbst gemacht und zum Startpunkt seiner Karriere als Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnistheorie.

Seine Bücher verkaufen sich gut, da sein Buch » Warum es die Welt nicht gibt « ihn paukenschlag­artig bekannt gemacht hat. Er argumentiert darin — wie vorher schon in seiner Antrittsvorlesung 2009 —, dass alles existiere, die Welt als Ganzes aber nicht existiere.

Gabriels Argumentation ist einfach, denn sie geht von nur zwei Aussagen aus, die er als wahr unterstellt:

  • Zu existieren bedeutet, in einem Sinnfeld aufzutreten, und
  • die Welt müsse man sehen als das Sinnfeld aller Sinnfelder (wobei man sich unter einem Sinnfeld einen Gegenstandsbereich vorzustellen habe).

Hieraus, so seine Aussage, sehe man sofort: Würde es die Welt geben, müsste sie in einem Sinnfeld auftreten. Das aber könne sie nicht, da sie ja das Sinnfeld aller Sinnfelder sei.

Was er seinen Zuhörern — bewusst oder irrtümlich? — verschweigt, ist, dass in einem Sinnfeld aufzutreten, nicht notwendig bedeuten muss, dort als Element aufzutreten. Man kann dort auch als Teilmenge auftreten.

Da das Sinnfeld aller Sinnfelder nun aber ganz sicher Teilmenge seiner selbst im mengentheoretischen Sinne ist, müsste Gabriel zum — natürlich viel weniger spektakulären — Schluss kommen, dass die Welt durchaus existieren kann (da sie ja Teilmenge ihrer selbst ist).

Sein Buch mit dem werbewirksamen Titel » Warum die Welt nicht existiert « müss­te er dann aber wohl einstampfen. Und auch seine Antrittsvorlesung, in der er 2009 zum ersten Mal erklärt hat, wie er erkannt habe, dass die Welt als Ganzes nicht existieren kann, würde dann für ihn zur Peinlichkeit.

Ich möchte ihm keine unredliche Absicht unterstellen, kann mir aber doch nicht verkneifen zu sagen:

Gabriels Argumentation, sein spektakuläres “Forschungsergebnis” zu begründen, erinnert mich an ein der damaligen Gesellschaft einen Spiegel vorhaltendes Märchen, das im 19. Jahrhundert in satirischen Zeitschriften gerne abgedruckt wurde: Es geht da um Till Eulenspiegel, einen frechen Schalk, dem es gelang, die Ratsherren einer beschaulichen Kleinstadt davon zu überzeugen, dass ihr neu zu erbauendes Rathaus keine Fenster benötige, da man Licht ja in Kübeln hinein­tragen könne. Jene Ratsherren, so die Geschichte, haben Eulenspiegel — reich belohnt für solch guten Rat — freundlich verabschiedet und ihre Dummheit erst bemerkt, als er schon lange weg war.

Nachtrag:

Natürlich habe ich – mehrfach sogar – versucht, Gabriel auf seinen Denkfehler aufmerksam zu machen. Geantwortet hat er mir nicht, und so gehe ich davon aus, dass er meine Argumentation entweder nicht versteht oder gar nicht verstehen will. Oder könnte es sein, dass er immer noch damit beschäftigt ist, genau das zu tun, was er gegen Ende seiner Antrittsvorlesung 2009 explizit versprach: weiter darüber zu “forschen”, wie Sinnfelder zu noch mehr Einsicht führen können als nur zur Erkenntnis, dass die Welt nicht existent sein kann?

Fast unglaublich finde ich, dass nun schon ganze 10 Jahre lang keiner von Gabriels Fachkollegen die fehlende Logik seiner Argumentation kritisiert hat.

Was sagt uns das über die Kompetenz der Mehrzahl aller Vertreter der Wissen­schaft Philosophie? Warum macht man sich nicht daran, seine Argumentation zu prüfen (so wie das in den Naturwissenschaften ganz sicher passieren würde)? Wird Philosophie neuerdings zur Pseudowissenschaft, oder war sie das in großen Teilen schon immer?

Karl Jaspers, da bin ich ganz sicher, hätte Gabriels Denkfehler sofort erkannt. Seinen Standard, in wirklich jeder Hinsicht absolut sauber zu denken, hat Gabriel noch lange nicht erreicht.

Gabriel redet schnell, ihm zuzuhören finde ich unterhaltsam und der Mühe wert. Aber so schnell er redet, so wenig genau denkt er (so jedenfalls meine Meinung).

Ich bin gespannt, wann ihm selbst Letzteres bewusst werden wird.

John Searle, vormals Professor für Philosophie in den USA, bezeichnete Gabriel 2016 als den derzeit “besten” Philosophen Deutschlands. Da frage ich mich dann doch: Macht allein schon umfassende Kenntnis all dessen, was andere Philosphen geschrieben haben, jemand zu einem brauchbaren Erkenntnistheoretiker?

Die Philosophie ist eine Disziplin, die oft mit hohem Alter in Verbindung gebracht wird. Dennoch, so bekennt Gabriel wörtlich, “kann man sich in jüngerem Alter durchaus Gehör verschaffen, auch wenn man mit einer originellen These riskiert, heftiger als ältere Kollegen kritisiert zu werden“.

Was Neuen Realismus betrifft, so erscheint mir bisher nur lesenswert ein Beitrag des Italieners Maurizio Ferraris: » Was ist der Neue Realismus? «. Man findet ihn auf den Seiten 52-75 des kleinen Büchleins Der Neue Realismus (2014), dessen Herausgeber Markus Gabriel ist.

Wegen Gabriels Denkfehler sollte man den Begriff » Neuer Realismus « ersetzen durch den hier definierten Begriff » Realistischer Realismus «. Auch er spricht von Sinn, benötigt hierfür aber nicht den allzu unklaren Begriff der Sinnfelder.
 

An Markus Gabriel: Wie Sinnfelder sich vereinigen


Unter einem Sinnfeld versteht man wohl am besten die gedankliche Welt eines Gehirns.

Wenn nun z.B. zwei Menschen ihre Vorstellungen zu irgend einem Thema erstmals miteinander diskutieren, werden sich diese Vorstellungen gegenseitig beeinflussen, irgendwie also modifizieren.

Man erkennt daraus:

Wo Sinnfelder mit einander in Berührung kommen “ins jeweils andere hineinsehen”, wird das die Gedanken, aus denen sie bestehen i.A. nicht unverändert lassen.

Damit ist klar: Wo Sinnfelder sich vermischen, vermischen sie sich nicht wie Mengen großer Steine, sondern wie Portionen unterschiedlich gefärbter Flüssigkeiten.

Eben deswegen kann ich Markus Gabriels Argumentation, das Sinnfeld aller Sinnfelder könne nicht existieren, nicht nachvollziehen.

    Wenn er mir jetzt nicht zuhören möchte, erinnere ich ihn an seine so ganz entschiedene Aussage im Video » Mein Buch: Warum es die Welt nicht gibt «, dort Minute 7:58 bis 8:28 und weiter bis 9:05.

Gabriel argumentiert mengentheoretisch und denkt, dass derselbe Gedankengang, der uns erkennen lässt, dass es die Menge aller Mengen nicht geben kann, auch dafür gut sei, zu erkennen, dass das Sinnfeld aller Sinnfelder — die Welt in Gabriels Sinne — nicht existieren könne.

Dem aber ist nicht so, denn in einem Sinnfeld aufzutreten — d.h. zu existieren in Gabriels Sinne — bedeutet nicht, als Gedanke im Sinnfeld unbeeinflusst von anderen dort enthaltenen Gedanken weiter Bestand zu haben.

Kurz: Die Welt ist nicht Menge aller Sinnfelder, sondern Amalgam (Ergebnis eines oft nicht mehr rückgängig zu machendem Zusammenfließens) von Sinnfeldern.

In einem Sinnfeld aufzutreten bedeutet deswegen nicht immer nur, Element des Sinnfeldes zu sein: In vielen Fällen wird es bedeuten, Teilmenge zweier sozusagen “zusammengeschütteter” Sinnfelder zu sein, wo das “Zusammenschütten” dem sich Mischen von Wasser unterschiedlicher Färbung entspricht.

Mengentheoretisch gesehen könnte man also sagen:

In einem Sinnfeld aufzutreten muss keineswegs immer nur bedeuten, Element des Sinnfeldes su sein: Es kann auch bedeuten, nicht mehr auflösbares Amalgam, mindestens aber Teilmenge davon geworden zu sein.

Wer das anerkennt, kann logischerweise nicht mehr zum Schluss kommen, dass es die Welt als Ganzes nicht geben könne:

Es ist ja schließlich sogar jede Menge Teilmenge ihrer selbst.
 

Was ist von einer philosophischen Bewegung zu halten, die den Aussagen anerkannter Physik widerspricht?


 
Unter dem Banner » Neuer Realismus « hat sich eine philosophische Bewegung etabliert, die sich gegen den postmodernen Konstruktivismus und imperialistischen Naturalismus gleichermaßen wendet (vgl. Die Rückkehr des Absoluten).

Hauptgegner ist der postmoderne Konstruktivismus, der — wie einige Philosophen meinen — in der heutigen Kultur- und Wissenschaftslandschaft in verschiedenen Spielarten sein Unwesen treibe.

Der Erkenntnistheoretiker Markus Gabriel von der Universität Bonn gehört zu den Vätern dieser Bewegung. Anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens hat er 2016 in der NZZ eine Bilanz gezogen. Darin beschreibt er die wesentlichen Stoßrichtungen seines philosophichen Ansatzes und verkündet, es sei unsinnig, anzunehmen, dass wir das Wirkliche nicht so erkennen können, wie es an sich ist,

Dem aber muss ganz entschieden widersprochen werden.

Machen wir uns das anhand von nur zwei Beispielen (beides Erkenntnisse der Quantenphysik) ganz klar:

  • Was wir als unterschiedliche Farben wahrnehmen, ist genau genommen elektromagnetische Strahlung unterschiedlicher Wellenlänge. Erst unser Gehirn setzt unterschiedliche Wellenlänge von Licht um in das, was wir unterschiedliche Farben nennen.

  • Mit Materie ist es ähnlich: Wie die Quantenphysik uns beweist, ist jedes Stück Materie nichts weiter als Summe von Wellen im Feld der 4 physikalischen Grundkräfte.

    Eben deswegen schrieb Hans-Peter Dürr (Zitat): Ich habe als Physiker 50 Jahre lang — mein ganzes Forscherleben — damit verbracht zu fragen, was eigentlich hinter der Materie steckt. Des Endergebnis ist ganz einfach: Es gibt keine Materie!

Der von Markus Gabriel viel zu unüberlegt kritisierte Steven Hawking schrieb (noch viel allgemeiner, Zitat):

    Es hat keinen Zweck, sich auf die Wirklichkeit zu berufen, da wir kein modellunabhängiges Konzept der Wirklichkeit besitzen.

Wir sehen also:

Physiker wissen ganz genau, dass wir die Wirklichkeit nicht so kennen, wie sie wirklich ist. Wir können nur — über Sinnesorgane und Messgeräte — Impulse der Wirklichkeit empfangen, müssen und werden sie dann aber im Sinne geeigneter gedanklicher Modelle interpretieren. Wie die Wirklichkeit tatsächlich beschaffen ist, weiß niemand zu sagen.

Gabriel ignoriert solche Erkenntnis. Und das, obgleich sie mehrfach erst durch Philosophen erkannt und dann durch die moderne Physik klar bestätigt wurde.

Nochmals also: Naturwissenschaft zeigt: Neuer Realismus ist ein Irrweg.

Warum will Markus Gabriel das selbst als Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnis­theorie nicht wahrhaben? Warum verschließt er sich allge­mein anerkannten Erkenntnissen moderner Physik?